US Gebäudebau

Author: Mathias Hellmann

Eigentlich war ich immer ein Gebäudebaumuffel...






water tower 1

water tower 2
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Irgendwie wollte das mit den europäischen Gebäuden nicht so recht klappen - immer die Ziegelverbände (da muss aber die Ziegelgröße genauso maßstäblich sein wie der Verband stimmen muß .... und an den Ecken der Gebäude soll es auch übergangslos durchlaufen) und dann muss man auch noch das vorbildwidrige Material (Kunststoff) so farblich hingetrimmt werden, daß erstens die Farbe und zweitens die Oberflächenstruktur stimmt. Mit den Dächern war es auch so eine Thema - anstückeln geht nie - sieht man immer auch wenn man noch so lange schleift undspachtelt.....
Klar für alles gibt es Lösungen und Wege - aber irgendwie wollte das nie so richtig zusammenklappen und so wurde eigentlich kein einziges Gebäude jemals fertig.

Doch irgendwie wurde das ganz anders als ich beim ARGE-S Modultreffen in Tübingen von Wolfgang und Michael mit 0n3 "infiziert" wurde. Irgendwie könnte ich damit auch die Fazination verstehen mit der mir mein inzwischen fest in Californien ansässige Freund Henner immer wieder Fotos von amerikanischen Schmalspurbahnen gezeigt hatte.
Da war alles aus Holz - Gebäude, Brücken, Wassertürme, Schmalspurwagen, Verladeanlagen und beim Logging auch noch das Ladegut.

Nun Holz ist eines der Materialien das sich am Besten im Modell darstellen läßt. Man braucht auf kein Ersatzmaterial ausweichen - Holz ist auch im Model Holz. Zudem läßt sich Holz sehr einfach verarbeiten, gut verkleben und einfach beizen - also das ideale Modellbaumaterial.

Und so wurde aus einem Gebäudebaumuffel einer, der vor lauter Gebäudebau nun fast nicht mehr zum Fahrzeugbau kommt...

Water and Sand

Im Sommer 2001 habe ich meinen Urlaub in Califonien verbracht. Selbstverständlich wurden auch dort schmalspurige Museums- und Touristikbahnen besucht. Ich hatte schon vor dem Abflug erste Geversuche in der neuen, ungewohnten "Modellumgebung" gemacht und so wurde dann "vor Ort" viel fotografiert, die Stimmung aufgenommen und auch Bauteile gekauft. Nach dem Urlaub stand fest - ich mache was in 0n3 !

Eigentlich wollte ich mit meinen H0m-Module an der ARGE-Schmalspur EXPO in
Amstetten teilnehmen (was dann u.A. aus Platz- und Personalproblemen scheiterte). Als ich dann erfuhr, dass die Voranmeldungen für den dort
ausgeschriebenen Dioramenwettbewerb noch sehr spärlich waren fasste ich kurzfristig den Entschluss: Jetzt wird was amikanisches für die Expo
gebaut.





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Also machte ich mich auf die Suche nach einem Motiv was einerseits typisch amikanisch ist und andererseits in den gegeben Platz- und Zeitrahmen machbar war. Typisch sind natürlich die hölzerne Wassertürme und in einer Narrow Gauge und Short Line Gazette (dem US-Schmalspurmodell-Fachblatt) hatte ich eine Zeichnung für eine tolle Besandungsanlage gesehen: bestehend aus einem Sandbunker, einer kleinen Holzhütte mit Trocknungsofen und einem hölzernen Turm mit kleinem Silo für den getrockneten Sand. Ich habe mich an dem Artikel "Sand Facility" von Gilbert Gribi in der Gazette March/Apr 95 orientiert - nur ist bei mir das Dach als Schindeldach und die Seitenwände als Board-and-batten ausgeführt. Als Vorlage fürden Wasserturm diente mir das von Wolfgang gebaute Modell der 0n3-Mienenbahn.


Das Ganze ließ sich auf der vorgesehenen A4-Fläche unterbringen und als ich in der Firma zufällig einen passende appröhre für den Wasserbehälter, von Michael das Wasserauslaufrohr (aus Weißmetall von Grandt Line), Nut-and-bolts (Schraubenimitationen - auch von Grandt Line) und verschiedenste Lindenholzleisten zusammen hatten konnte der Bau beginnen.



Auf den Gleisbau mit echten Lindenholzschwellen, Code 70-Schienenprofilen und Tackerklammern als Schinennägel will ich später an anderer Stelle genauer eingehen.


TIPP: Beizen

Von Henner stammt der Tipp mit welcher Beize man den sehr hellen, ausgeblichenen, leicht gräuliche Holzton erreicht, den unbehandeltes Holz im Lauf der Jahre unter der Sonne annimmt. Ich hatte immer versucht schwarze oder graue Beize stark zu verdünnen, was aber nicht geht. Der Trick ist eine Beize aus ca. 80% Alkohol und ca. 20% flüssige schwarze Schuhcreme. Henner hat für die amikanische Schuhcreme Isopropyl-Alkohol zum verdünnen genommen - die deutsche Erdal-Schuhcreme lösst sich allerdings besser in einfachem Spiritus.
Diese Beize wird satt aufgetragen (oder getaucht) und sofort wieder mit einem Lappen abgewischt. Eine intensiever Färbung wird durch nochmaliges beizen erreicht .
Die Vorbildfotos einer "Miners Cabin" in Laws (ex. Southern Pacific Narrow Gauge) zeigt sehr schön welche Farbe Holz unter der brütenden Sonne in Californiens Wüsten annimmt - und wie die Sonne quasi den Lack des alten Autos vom Blech heruntergebrannt hat. Bei weniger als 10 Regentagen im Jahr ist das Auto nicht wie bei uns verrostet !








TIPP: Schindeldächer

Zuerst hatte ich ja Bammel vor den Dächern (- europäisches Dachziegelsyndrom) - inzwischen bin ich ein echter Fan von Schindeldächern (egal wie groß !). Auch hier kommt es wieder zu tragen: Echtes Material und alles am Stück gebaut sieht einfach aus wie beim Original.
Als "Starthilfe" habe ich mir in USA einen Schindelbausatz von Evergreen Hills designs Cedar Shingles gekauft. Toll sind sie schon, die lasergeschnittenen Schindeln aus echtem Zedernholz. Nur selbst bei der Dachfläche der Besandungsbude schon fast nicht mehr bezahlbar - ich hatte aber noch Größeres vor! So habe ich die Idee und die Abmesungen übernommen und meine Schindel selbst hergestellt und mit ganz normalem Weißleim einzeln aufgeklebt. Was ich nicht von Evergreen übernommen haben ist die unterschiedliche Breite der einzelnen Schindeln. Obwohl ich immer gleich breite Schindeln verwende ist mir die Dachstruktur lebendig genug. Mit unterschiedlich breiten Schindeln habe ich die Befürchtung, die Dachfläche könnte zu unruhig wirken.



Zunächst habe ich mit ca. 0,4 mm dicke Lindenholzstreifen von einem ca. 5 mm dicken Leiste heruntergesägt und diese um eine grobe Struktur zu erhalten über 40er Schleifpapier gezogen. Von diesen Holzstreifen wurden dann die einzelnen Schindeln ca. 8,5 mm lang einzeln abgeschnitten. Ich habe die Streifen aber nicht sofort mit dem Skalpell ganz durchgeschnitten sondern nur stark eingeritzt und dann abgebrochen - das dauert auch nicht länger gibt aber ganz toll fasrige Schnittkanten.



Ganz unten an der Dachfläche wird zunächst eine ca 1 mm breiter, ebenfalls 0,4 mm dicker Streifen aufgeklebt damit die Schindeln nachher alles in der selben Neigung haben und nicht die erste Reihe flacher liegt. Nun wird auf die Dachfläche zunächst im Abstand von 8,5 mm zur unteren Dachkante und dann immer im Abstand von 6,5 mm (= 2 mm Überdeckung der Schindeln) Striche auf die Dachunterkonstruktion gezeichnet. Geschickt ist es natürlich, wenn die Dachflächen genau so lang sind wie eine vielfaches von 6,5 + 8,5 mm. Schindeln wurden zunächst (vor am Ablängen) mit der Schuhcreambeize gebeizt und nachdem alle einzeln aufgeklebt waren die ganze Dachfläche noch mal mit der Beize – nur mehr aber mit einem Hauch Mahagonibeize zugemischt nochmals gebeizt. Damit wurde der leicht rötliche Zedernton erreicht.

Der Schotter (verschiedenen Körnungen gemischt) und das Streumaterial stammt von Steinbrüchen auf der Schwäbischen Alb. Einige Ausstattungsdetails von Preiser (Fässer, Werkzeuge) beleben die Szene.

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