Meine "KAE" (0e Schmalspuranlage)

english translation available, see below

Die Betonung kann man bei der Überschrift ruhig auf "meine" legen, denn "meine KAE" darf man nicht verwechseln mit der KAE, der Kreis Altenaer Eisenbahn, die wirklich existierte (Meterspur). "KAE" heißt hier: "Kreis Arnsberger Eisenbahn" - und es hat sie im Original nicht gegeben. Aber es gibt sie jetzt: eine Bahn im Maßstab 0e mit der "Original"-Spurweite von 75cm.

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Mein ursprüngliches Interesse galt den württembergischen Schmalspurbahnen, speziell der Federseebahn Riedlingen-Schussenried (aus rein sentimentalen Gründen: der Urgroßvater meiner Frau, der Sägewerksbesitzer Josef Blank, hat nämlich diese Bahn mit initiiert).
Der ursprüngliche Plan war, eine "abgespeckte" Version des Bahnhofs Riedlingen (Schmalspurteil mit Rollbockgrube) in 1:45 zu bauen. Voller Begeisterung wurde parallel zur Bahnhofsplanung schon mal ein württembergischer G-Wagen in Angriff genommen. Es war mir gelungen, ein Henke-Gehäuse zu ergattern, gebaut werden mußte nur noch das Untergestell (mit Messing-Gußteilen von Herrn Jeworowski). Endlich war der Rohbau des Wagens fertig (und erste Zweifel stellten sich ein, ob es bei komplettem Selbstbau jemals zum Fahrbetrieb kommen würde).
Außerdem stellte sich heraus, daß 1m Radius das absolute Minimum für diesen 3-achsigen Wagen war (und für die inzwischen angeschaffte 99651 von Henke). Viel Eisenbahn war mit diesen Radien (bei Weichen besser R > 1,2m) auf einer Fläche von 3,9m x 2,7m nicht möglich! Nur ein U hätte gepaßt mit ca. 2m Fahrstrecke zwischen BHF Riedlingen und dem Schattenbahnhof (siehe Skizze, rechts mußte ein Fenster frei bleiben - eine doppelstöckige Anlage war ebenfalls nicht möglich).

Das war dann auch schon das Ende der "Württemberg-Leidenschaft" (fast das Ende, näheres hierzu am Ende des Artikels). Zu diesem Zeitpunkt kam glücklicherweise der "Magic-Train" heraus und ich stellte bereits mit den Anfangspackungen fest, wieviel Spaß es machte, wirklich mit der Eisenbahn zu spielen (und nicht nur zu planen) und ein Radius von 60cm war schon fast großzügig.

Es fehlte nur noch das passende Vorbild. Als alter Freund von amerikanischen Modellbahnen fiel mir da sogleich das
"freelancing" ein: Man denkt sich ein passenden Vorbild aus, wenn's keines gibt, und im Rahmen dieses selbst erdachten Vorbilds kann man dann die Fahrzeuge einsetzen.
Bei uns ist "Freelancing" wohl vor allem deshalb so unbeliebt, weil eigentlich jeder weiß, was in Deutschland in der Epoche 3 bei der Bundesbahn gefahren ist und was nicht - viel Spielraum ist da nicht gegeben.
Die Schmalspurer haben es da besser (oder kann mir jemand sofort sagen, welche Fahrzeuge auf der Schmalspurbahn XY im Jahre 1955 gefahren sind und welche nicht?!). Leichter als bei der Normalspur kann man sich ein Vorbild vorstellen, daß es nicht gegeben hat.

Die "KAE"

Zur Erinnerung an meine alte Heimat habe ich dabei Motive aus dem Sauerland verwendet, so kam's zur "Kreis Arnsberger Eisenbahn" - denn in Arnsberg habe ich die ersten 18 Jahre meines Lebens verbracht.

In der Zeichnung unten sind die Strecken der "KAE" gezeichnet (von Werl nach Arnsberg fuhr übrigens die tatsächlich existierende RLE bis ca. 1954 in Meterspur). Die Strecke von Neheim-Hüsten bis Holzen ist bei mir im Modell nachgebildet. Stationen sind: Hüsten-Ost mit einer Leuchtenfabrik und einem Sägewerk, Rumbecker Holz, ein Haltepunkt mit einer Holzverladung, und Holzen als Endbahnhof.

Platz für die Anlage?

Da ich keinen vernünftigen Keller habe, mußte die Anlage in der Wohnung aufgebaut werden und da schon in allen Räumen Möbel standen (bei wem wäre das anders?), mußte Platz "geschaffen werden".
Dies war am leichtesten der Fall im Schlafzimmer: der Bettkasten verschwand (die Matratzen liegen auf dem Fußboden und können während der "Betriebszeiten" aufeinandergestapelt werden) und die Eisenbahn fährt jetzt dort im zweiten Stock (Höhe der Schienenoberkante: 1,40m bis 1,60m).
Um für den Fall, daß die Anlage nachts herunterkommt, nicht allzuviel auf den Kopf zu bekommen, wurde die Unterkonstruktion aus viel Schaumstoff und wenig Sperrholz errichtet und zum Teil an der Decke aufgehängt.
Insgesamt ergab sich so eine Anlagengröße von 3,9m x 1,8m fest plus ein demontierbarer Teil von 3,9m x 0,9m (vor dem Kleiderschrank, der nach Meinung meiner Frau unbedingt zugänglich sein muß!).

Die Gleise

Ich verwende zum großen Teil die Flexgleise und Weichen von Peco, einige Weichen sind selbstgebaut (vor allem Bogenweichen, die es von Peco nicht gibt). Der Mindestradius ist 55cm.
Bei der nächsten Anlage werde ich wahrscheinlich die Gleise komplett selbstbauen; es ist gar nicht so furchtbar viel Arbeit und sieht doch schöner aus (das Pecogleis ist mehr ein Feldbahngleis). Außerdem werde ich den Mindestradius bei Bogenweichen auf 80cm festsetzen, bei z.Z. 60cm laufen längere Zweiachser doch mit etwas "Kratzen" am Spurkranz.

Die Fahrzeuge

Auf der "KAE" fährt zur Zeit eine B-Kuppler Dampflok (Magic-Train), eine Diesellok (Minex) und ein Wismarbus (Henke), alle mit Faulhabermotor motorisiert und in den Farben der "KAE" lackiert und beschriftet. In der "Aufarbeitung" befindet sich noch eine Minex-Dampflok.

Fahren auf der "KAE" ist "kinderleicht"!

Die Loks sind mit Digital-Plus-Decodern ausgerüstet und werden mit 2 Handreglern gesteuert. (Ich finde es wirklich sehr schön, wenn man sich nicht mehr darum kümmern muß, irgendwelche Gleise elektrisch an- und abzuschalten, eine Tätigkeit, die schließlich auch nicht sehr vorbildgerecht ist!) Ebenso wie die Loks sind auch die Wagen korrekt für die "KAE" beschriftet, mit dem Schriftzug "KAE" und individueller Wagennummer (Letraset). Die meisten Wagen sind von Fleischmann, zum Teil etwas umgebaut, so gibt es z.B. einen Packwagen und einen verlängerten Personenwagen.

Die Kupplung(en)

Die, die selbst eine 0e/0m-Bahn besitzen, werden sich nicht wundern, daß die Kupplung hier ein extra Kapitel erhält, sie ist nämlich in dieser Baugröße ein ungelöstes Problem. Auf die Gefahr hin, mir ewige Feinde zu machen, will ich hier mal von meinen Erfahrungen mit Kupplungen berichten.
Die Fleischmann-Kupplung war mir zu klobig und zu tief am Wagen angesetzt (eine Kupplung sollte auf der Pufferbohle sitzen - oder?), also wurden diese Kupplungen erstmal gleich entfernt.
Angefangen habe ich mit der württ. Trichterkupplung. Sie funktioniert sehr schön, nur kostet es (wenn man mehr als ein Diorama hat) ausgesprochen viel Geduld, immer mit der Pinzette den Kupplungspin (ca. 4x0,8mm - haben Sie schon mal versucht, auf dem Fußboden einen verlorengegangenen wiederzufinden?) durch das Loch in der Kupplung und gleichzeitig durch das Loch im Kuppeleisen zu fummeln. Für Modulwochenenden, wo wenigstens genug Helfer zur Verfügung stehen, mag es noch gehen, Zuhause ist es einfach lästig.
Sehr schön ist auch die Mittelpufferkupplung mit darüberliegendem beweglichen Kupplungsbügel von Herrn Jeworowski - bei leichten Knicken in der Gleislage, z.B. bei Modulübergängen oder bei Ende von Steigungen, neigt sie aber zum automatischen Entkuppeln. Außerdem hebeln sich die leichten Wagen von Fleischmann aus den Schienen, wenn man die Kupplung nicht im NEM-Schacht (der zu tief liegt), sondern starr in der Pufferbohle einbaut.
Mit Mittelpuffer, 2 Haken und 2 Ketten hat man eine sehr schöne Kupplung, die auch funktioniert - aber auch diese Fummelei ist, siehe oben, nicht meine Sache.

Eine automatische, gut funktionierende Kupplung, die allerdings nicht dem deutschen Vorbild entspricht (denn sie hat keinen Pufferteller), ist die amerikanische Kadee-Kupplung. Sie kuppelt sehr leicht ein, entkuppelt nicht bei Knicken in der Gleislage, die Wagen hebeln sich nicht gegenseitig aus den Schienen. Außerdem kann sie in Höhe der Pufferbohle anbringen. Daher benutze ich Zuhause die Kadee-0n3-Kupplung!

Der Gleisplan

Hier ist der Gleisplan der "KAE" gezeichnet (Gleisplan in größerem Format). Vom Schattenbahnhof Neheim-Hüsten aus (der übrigens FreModul-Übergänge hat und zusammen mit einem dritten Teil auch zu Modultreffen mitgenommen werden kann) fahren die Züge über 2 weitere, ebenfalls demontierbare FreModule weiter nach Hüsten-Ost. Hier gibt es ein Ladegleis und ein Anschlußgleis.

Von dort geht es durch einen kurzen Tunnel (bevor einer schreit "das hat es bei Privatbahnen nicht gegeben": die Original KAE hatte einen Tunnel!) zum Haltepunkt Rumbecker Holz. Am Anschlußgleis dort wird Holz verladen - der Wald dort ist schon zum großen Teil abgeholzt, so daß ich nicht allzuviele der teuren Silhuette-Fichten brauchte!
Schließlich geht\'s durch einen Einschnitt zum Endbahnhof Holzen, der bisher noch nicht landschaftlich gestaltet ist.

Landschaft und Gebäude

Wie schon oben erwähnt, besteht der Unterbau hauptsächlich aus Schaumstoff (Hartschaum), auf den die Gleise direkt aufgeklebt sind. Auf eine Lage Küchenrolle und eine Moltofill/Weißleim-Gemisch wurde dann das Gras und der Waldboden aufgestreut.

Das Sägewerk und die Fabrik in Hüsten-Ost sind selbstgebaut (aus Sperrholz, darauf Polystyrol Mauerplatten von der Fa. Wenzel, die Fenster sind von Addie) und sind Original-Gebäuden nachempfunden. Um Platz zu sparen, sind die beiden Gebäude nur Halbreliefs. "Tiefe" bekommt die teilweise nur 40cm tiefe Anlage durch eine Hintergrundkulisse von MZZ.

Der Betrieb

Da mir das reine Hin- und Herfahren nach einer Zeit langweilig wird, versuche ich, "Betrieb" zu machen. Hier der Fahrplan:

Neben den reinen Personenzügen und dem Triebwagen verkehrt morgens ein GmP (7.45 Uhr) und am Nachmittag ein Güterzug. Mit Frachtkarten kann ein vorbildgetreuer Güterwagen-Betrieb stattfinden. Das Verfahren ist ähnlich wie das, was der "Fremo" bei seinen Modulveranstaltungen anwendet.

Und Württemberg ?

Ganz zu Anfang habe ich mein Interesse an den württembergischen Schmalspurbahnen erwähnt. Dieses Thema ist für eine kleine Heimanlage nicht so geeignet, aber auf Modultreffen der Arge-S Regionalgruppe Baden-Württemberg kann ich dieses Interesse pflegen. So sind im Bau z.Z. württ. G-Wagen (die übrigens riesig sind im Vergleich zu den Wagen der norddeutschen Privatbahnen!) und ein 4-achsiger Personenwagen (Kb4i), dessen Original in einem schauerlichen Zustand in Ochsenhausen steht (nur der Wagenkasten ist noch erhalten).
Ich hoffe, dem ein oder anderen Mut gemacht zu haben, mal selbst eine (auch "Freelance"-) Anlage in diesem großen Maßstab zu bauen - ohne den Ehrgeiz zu haben, gleich alle Ziele verwirklichen zu müssen und ein bestimmtes Vorbild 100%ig nachbauen zu müssen.


=> Dia Show "KAE" im Modell

Nachtrag:
was passierte in den letzten 15 Jahren? ich habe die KAE module (bis auf 2 Streckenmodule, die ich gelegentlich zu FREMO Treffen mitnehme) verkauft - und, dank eines grossen Kellers in meinem neuen Haus, fahre ich inzwischen hauptsächlich Normalspur, natürlich auch in Spur Null !

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